Neues aus der Pulp-Kiste

Die goldene Ära des Pulps, dieser auf das namensgebende billige Papier gedruckten Magazine, ist zweifelsohne vorbei und das schon seit einigen Jahrzehnten. Doch die darin abgedruckten Geschichten, oder zumindest einige davon, haben Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind. Sie boten und bieten Stoff für Filme, Comics, Songtexte usw. Und nicht wenige Autoren der heutigen Zeit dürften von Pulpschriftstellern beeinflusst worden sein. Sie haben damals die Grundsteine für Sci-Fi, Fantasy, Horror und Detektivgeschichten gelegt, wie wir sie heute kennen.

Und natürlich gibt es bis in die heutige Zeit Autoren, die diese Tradition ganz bewusst fortsetzen. Neulich bin ich im Netz auf New Pulp Tales gestoßen. Digitale Medien eignen sich wunderbar für eine Fortführung der Pulptradition. Denn gar nicht zu drucken, ist natürlich noch günstiger, als billiges Papier zu verwenden. Und auch durch die Art der Genres (Sci-Fi, Detective Tales, Sword and Sorcery, Weird Fiction) und der Geschichten wissen die modernen Autoren der Seite an den Pulp anzuschließen. Und das ohne dabei im verstaubten Gewand der 30er oder 40er Jahre daherzukommen. Das authentisch hinzubekommen, fällt heute nicht unbedingt leicht. Doch warum sollte ein Hardboiled-Detective nicht im Irakkrieg, statt in einem der Weltkriege gedient haben. Es funktioniert.

Das Projekt läuft seit ein paar Monaten und einmal die Woche wird eine der Geschichten fortgesetzt. Das Material, das sich angesammelt hat, ist also noch überschaubar, wenn man noch aufholen möchte. Und all die laufenden Geschichten empfinde ich als sehr Vielversprechend. Da ich mich heute dabei ertappt habe, dass ich schon ziemlich gespannt auf die nächste Fortführung warte, wollte ich die Entdeckung mit den Leuten teilen, die es auf diese Seite verschlägt.

Rogues of Merth von Robert Zoltan

Als ich über „Rogues of Merth“ gestolpert bin, hat das gemischte Gefühle in mir ausgelöst. Meine Erwartungen an Sword and Sorcery sind hoch oder vielleicht auch speziell oder nicht zeitgemäß, denn vor allem neue Bücher, die sich diesen Stempel aufgedrückt haben, lassen mich oft unzufrieden zurück. Ich erwarte von solchen Büchern vor allem eines: Dass sie Sword and Sorcery enthalten. Nicht irgendwelche Geschichten, in denen eben auch Schwerter und Magie eine gewisse Rolle spielen. Sondern aktiongeladene, temporeiche, exotische, düstere Geschichten, die von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Protagonisten am Rande der Heldenskala und der Gesellschaft, die ihre eigenen oft fragwürdigen moralischen Maßstäbe ansetzen. Fiese Magier, absurde Monster, erotisch exotische Frauen und wilde Kämpfe können in einem solchen Mix natürlich nie schaden. Kurz gesagt wünsche ich mir etwas, das sich für mich wie Sword and Sorcery anfühlt. Und wenn ich das bekomme, dann bin ich schon zu 80 Prozent zufrieden.

Das Genre ist in Magazinen entstanden und in solchen gepflegt worden. Kurzgeschichten sind die klassischste Form und die Autoren waren darauf angewiesen das Interesse des Lesers von Beginn an zu wecken, ihn mit auf einen schnellen wilden Ritt zu nehmen, bei dem er gar nicht auf die Idee kommt das Heft aus der Hand zu legen, und ihm dann noch ein Ende zu liefern, das ihn dazu veranlasst das nächste Magazin, auf dem er den Namen des Autoren sieht, wieder zu kaufen. Aus diesen Anforderungen entstanden aufregende Geschichten, auf Papier gebannter Spaß. Das gilt selbst für die weniger originellen Vertreter der Gattung, die man verschlingen kann wie Fastfood, ohne darauf zu achten ob mal ein Krümel, ein Wort oder ein Satz daneben fällt. Bücher von denen man auf einer langen Zugfahrt schon mal zweieinhalb am Stück konsumieren kann.

Doch was ich eigentlich suche, sind natürlich Juwelen, wie ich sie aus vergangenen Jahrzehnten kenne. Jetzt erinnerte mich „Rogues of Merth“, vom ersten Moment an, an mein Lieblingsjuwel. Das Schurkenduo aus dem kleinen schwertkämpfenden Poeten Dareon Vin mit seinem Rapier und seinem großen barbarischen Freund Blue erinnerte mich an Fafhrd und den grauen Mausling. Die kurze Beschreibung der Stadt Merth erinnerte mich an Lankhmar. Das Setting der Geschichte „The Blue Lamp“ erinnerte mich an den „Basar des Bizarren“. Jetzt kann es natürlich eine gute Sache sein, wenn man so an seine Lieblingsgeschichten erinnert wird. Aber hohe Erwartungen können auch die Vorstufe zu großer Enttäuschung sein.

Es half alles nichts, da musste ich jetzt durch. Also habe ich „The Blue Lamp” gelesen. Eine solch umfangreiche Leseprobe im Netz zu finden ist schließlich ein Glückfall, den man nutzen sollte. Es ist eine gute Geschichte und keine Nacherzählung der genannten Geschichte von Fritz Leiber. Der Anfang erinnerte mich daran. Das Ende dann eher an Erzählungen von Clark Ashton Smith, C.L. Moore oder Henry Kuttner. Ja, es finden sich Motive, die man aus der Sword and Sorcery Literatur kennt. Das ist bei einer Sword and Sorcery Geschichte nicht anders zu erwarten. Es mag Anlehnungen an einige der besten Geschichten des Genres geben, aber es ist keinesfalls eine Kopie. Es ist jeder wie jemandem zu begegnen, der einen flüchtig an einen guten alten Freund erinnert.

Aber das war erst eine Kurzgeschichte von zehn. Das reichte mir nicht, um mir ein abschließendes Bild zu machen. Es half nichts, ich musste – und wollte – mir dieses Buch kaufen. „One Night in Merth“ erzählt von der Begegnung zweier Helden, die dazu bestimmt zu sein scheinen von nun an gemeinsam in Abenteuer zu stolpern. Aber es ist keine Nacherzählung von „Ill Met in Lankhmar“ oder einer anderen mir bekannten Geschichte. Und mit jeder weiteren Erzählung wuchs meine Überzeugung, dass ich neue, gute und eigenständige Geschichten des Genres vor mir hatte. Und ich musste diese Meinung zu keinem Zeitpunkt in Frage stellen.

Allein dadurch, dass er mit durch wenige Sätze lose verknüpften Kurzgeschichten arbeitet, trägt der Autor schon stark dazu bei die für Sword and Sorcery wichtige Stimmung aufzubauen und zu halten. Es braucht keinen langen und übertrieben komplizierten Plot und es reicht in den wirklich großen, aufregenden oder absurden Momenten bei den Helden zu sein. Kein Mensch interessiert sich dafür, in welcher Bäckerei sie morgens ihr Brot kaufen oder ob sie nun sieben oder acht Tage durch den Wald reiten. Selbst eine Begegnung mit einer Gruppe von Räubern am Wegesrand trägt nicht zwangsläufig zur Geschichte bei.

Robert Zoltan entführt mit schönen und wohlplatzierten Worten in eine spannende und exotische Welt. Mal energiegeladen, mal traumgleich, mal wundersam. Oft fällt ein Schatten des Makabren oder des Unheils darüber und an den richtigen Stellen finden sich nachdenkliche Töne und eine gute Prise Humor. Von all dem findet der Leser zwischen diesen Seiten nicht zu wenig und, was mindestens ebenso wichtig ist, nicht zu viel. Alles ist da, wo es hingehört ohne künstlich, erzwungen oder deplatziert zu wirken.

Blue der Barbar ist klug, weise und leise, während der poetische Schwertmann Dareon Vin wortgewandt und scharfzüngig ist. Ohne, dass sie Kopien von Fafhrd und dem Mausling sind, fühle ich mich daran erinnert, dass diese beiden Helden laut Leiber vage spürten, dass sie die beiden lange verschollenen, passenden Bruchstücke eines großen Helden waren und jeder einen Kameraden gefunden hatte, mit dem er tausend Fahrten unternehmen und ein Leben – oder hundert Leben – der Abenteuer verbringen konnte. Und ich frage mich, ob sich zu einer anderen Zeit in einer anderen Welt die zwei diesmal an einer anderen Stelle gebrochenen Stücke des gleichen Helden fanden, die wir nun als Dareon Vin und Blue kennen…

Besonders freut mich, dass auf dem Buchcover „The Adventueres of Dareon and Blue 1“ zu lesen ist. Wir dürfen uns wohl auf mehr Geschichten über diese beiden liebenswerten Schurken freuen. Für Teil eins gibt es von mir, um es in Zahlen auszudrücken, 5 von 5, 10 von 10 oder 97 von 100 Punkten. Ich habe gehört kein Mensch sei perfekt und die verbleibenden drei Prozent spornen den Autor vielleicht dazu an auch weiterhin so viel Liebe zum Detail walten zu lassen.

Conan im Marvel Universum

2 interessante Neuigkeiten. Nachdem das DC Imprint Dark Horse die Conan Rechte 2003 bis 2018 inne hatte, wechseln sie 2019 wieder zu Marvel. Die haben angekündigt Conan ins Marvel Universum zu integrieren und im März wird es ein Avenger / Conan Crossover geben. So richtig schmeckt mir das nicht, aber es wir auch eine Belit Miniserie geben. Age of Conan: Belit wie die Serie heissen wird, umfasst 5 Comics. Diese werden sich mit der Frühzeit der Piratenkönigin befassen.

Belit bei Marvel