Beasts & Barbarians auf deutsch

Sword & Sorcery erlebt gerade einen Aufschwung, wie sonst lässt es sich erklären das Ulisses als erstes Drittanbieter Produkt für Savage Worlds gerade dieses Setting auf deutsch herausbringt. In Zusammenarbeit mit dem polnischen Herausgeber Gramel macht man sich daran Beasts & Barbarians an die aktuelle Adventure Editon anzupassen. Die Grafiken werden im übrigen von der französischen Ausgabe übernommen.

Savage Worlds ist nicht mein Ding, aber ich werde wohl zumindest beim kommenden Kickstarter mit der PDF Version für Beasts & Barbarians dabei sein.

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Barbarische Neuigkeiten

Es ist schon wieder viel zu lange her, das hier etwas passiert ist. Daher kurz zu den wichtigsten Neuigkeiten.

Die Lemurischen Chroniken sind inzwischen auf englisch erhältlich. Wer mit der französischen Ausgabe nichts anfangen konnte, sollte sich jetzt das englische PDF holen. Die deutsche Ausgabe hingegen wird nicht erscheinen. Lt. Mario Truant sind die Rechte an den Zeichnungen einfach zu teuer für seinen Verlag. Ein anderes Gerücht besagt, das der Übersetzer einfach nicht geliefert hat bzw. das was er abgab eher Murks war. Sehr schade, aber vielleicht startet Mario einen 2. Versuch.

Wem ZeFRS etwas sagt (Link hier in der Seitenleiste) der darf sich freuen. DasZeFRS Kollektiv hat gerade den ZeFRS – Cimmerian Quickstart veröffentlicht. Kostet nichts und ist einen Blick wert.

Zu guter letzt bin ich ein riesiger Freund von Sharp Swords & Sinister Spells. Der Brasilianer Diogo Nogueira (der im übrigen auch Dungeon Crawl Classics (DCC) ins portugiesische übersetzte und dabei auch Anleihen für SS&SS nahm) hat auf knapp 50 Seiten ein vollwertiges Sword & Sorcery Rollenspiel erschaffen. Knapp aber vollständig, kein Wort zu viel. Könnte für mich eine direkte Konkurrenz für BoL werden. Okay man braucht ein wenig Organisationstalent und ne Handvoll Hausregeln, aber für Oneshots oder kurze Kampagnen genau das richtige. Für 2020 ist übrigens eine Extended Edition angekündigt mit Erläuterungen was Rollenspiel ist etc. Ich fürchte aber das der Charme des Spiels dann schwindet, immerhin gibt es schon ein Addendum mit knapp 90 Seiten. Auch hier, anschauen denn das PDF ist umsonst.

Bisher spiele ich in Skarynth, einer Welt die von einem Fan für SS&SS erschaffen wurde. Ich bin aber am überlegen Zothique von Clark Ashton Smith zu bespielen.

Neues aus der Pulp-Kiste

Die goldene Ära des Pulps, dieser auf das namensgebende billige Papier gedruckten Magazine, ist zweifelsohne vorbei und das schon seit einigen Jahrzehnten. Doch die darin abgedruckten Geschichten, oder zumindest einige davon, haben Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind. Sie boten und bieten Stoff für Filme, Comics, Songtexte usw. Und nicht wenige Autoren der heutigen Zeit dürften von Pulpschriftstellern beeinflusst worden sein. Sie haben damals die Grundsteine für Sci-Fi, Fantasy, Horror und Detektivgeschichten gelegt, wie wir sie heute kennen.

Und natürlich gibt es bis in die heutige Zeit Autoren, die diese Tradition ganz bewusst fortsetzen. Neulich bin ich im Netz auf New Pulp Tales gestoßen. Digitale Medien eignen sich wunderbar für eine Fortführung der Pulptradition. Denn gar nicht zu drucken, ist natürlich noch günstiger, als billiges Papier zu verwenden. Und auch durch die Art der Genres (Sci-Fi, Detective Tales, Sword and Sorcery, Weird Fiction) und der Geschichten wissen die modernen Autoren der Seite an den Pulp anzuschließen. Und das ohne dabei im verstaubten Gewand der 30er oder 40er Jahre daherzukommen. Das authentisch hinzubekommen, fällt heute nicht unbedingt leicht. Doch warum sollte ein Hardboiled-Detective nicht im Irakkrieg, statt in einem der Weltkriege gedient haben. Es funktioniert.

Das Projekt läuft seit ein paar Monaten und einmal die Woche wird eine der Geschichten fortgesetzt. Das Material, das sich angesammelt hat, ist also noch überschaubar, wenn man noch aufholen möchte. Und all die laufenden Geschichten empfinde ich als sehr Vielversprechend. Da ich mich heute dabei ertappt habe, dass ich schon ziemlich gespannt auf die nächste Fortführung warte, wollte ich die Entdeckung mit den Leuten teilen, die es auf diese Seite verschlägt.

Furcht

Vor einer Weile hatte ich Lust darauf, einer der Kreaturen Lemurias etwas Leben einzuhauchen und dem Leser hoffentlich ein Gefühl dafür zu vermitteln, welche Gefahren in den unwegsamen Regionen des sagenhaften Kontinents lauern. Also habe ich eine kleine Geschichte geschrieben. Wer das Regelwerk von Barbarians of Lemuria kennt, wird sie wohl wiedererkennen. Und wer die Thongor-Bücher gelesen hat, ebenfalls. Denn wie so vieles in dem Spiel, ist auch die Inspiration für diese Kreatur deutlich in Lin Carters Serie zu erkennen.

 

Furcht lag in den Überresten ihres steinernen Gefängnisses und lauschte dem abwechselnden Trommelschlag der beiden Herzen in ihrer Brust. Dabei war sie dem Schlaf so nahe, wie sie es je sein würde. Ein Gehirn träumte von einer Zeit, als sie diesen Ort noch mit den kleinen zweibeinigen Schmerzbringern hatte teilen müssen, während das andere auf die vertrauten Geräusche und Gerüche des Dschungels achtete.

Inzwischen waren die Schmerzbringer gestorben. Furcht verstand nicht genau woran, denn sie kannte nur eine Art von Tod: Die rote, gewaltsame Variante, die sie selbst so oft mit sich brachte. Als die Zweibeiner verschwunden waren und aufgehört hatten ihresgleichen an den vierbeinigen Tod in der Grube zu verfüttern, hatte sie Hunger kennengelernt. Er hatte sie geschwächt, aber nicht bezwungen. Viele Jahre hatte sie mit ihm gerungen, gelauert und von den kleinen Tieren gelebt, die ein Moment der Unaufmerksamkeit in ihre Nähe geführt hatte.

Zeit war auf ihrer Seite gewesen und hatte an dem Stein dieses Ortes genagt, bis das Siegel, das Furcht gefangen gehalten hatte, gebrochen war. Nun band nur noch die Macht der Gewohnheit die Jägerin an diesen Ort, den sie als ihren Bau betrachtete. Und eine unsichtbare Leine, die ebenfalls aus alten Gewohnheiten und Erinnerungen geflochten war, bestimmte die Grenzen ihres Reviers.

Sie war drei Nächte lang der aufgehenden Sonne entgegen gelaufen und hatte eine unsichtbare Welle der Furcht vor sich hergetrieben. Der Geruch der Todesangst hatte ihre beiden Herzen höher schlagen lassen, es war wie ein Rausch gewesen. An jenen, die zu langsam gewesen waren, hatte sie ihren Hunger gestillt. Sie war drei Nächte lang der untergehenden Sonne entgegengelaufen und die Geschichte hatte sich wiederholt. Dann hatte es sie abermals zurück in ihren Bau gezogen. Sie war drei Nächte lang der Mittagssonne entgegengelaufen, ehe sie mit prall gefüllten Magen den Rückweg angetreten hatte.

Nur in der vierten Himmelrichtung erstreckte sich ihr Revier lediglich zwei Nächte weit. Dort war sie auf Respekt gestoßen. Wie die Schmerzbringer lief auch er auf seinen Hinterbeinen und wie sie war auch er geschuppt. Doch damit endeten die Gemeinsamkeiten. Er war größer als Furcht und sein Brüllen hallte ebenso weit durch den dichten Wald, wie das ihre. Seine Schuppen wirkten dick genug, um selbst ihren Krallen Widerstand zu leisten und seine Zähne waren lang wie die Unterschenkel der Schmerzbringer. Respekt hatte kleine, gierig funkelnde Augen, seine Vorderbeine wirkten schwach und verkümmert und sein mächtiger Schweif half ihm dabei die Balance zu halten.

Er und Furcht hatten sich angesehen und waren zur stummen Übereinkunft gekommen, dass sich ein Kampf nicht lohnen würde. Sie hatten einander den Rücken gekehrt und waren ihrer Wege gegangen. Sie glaubte, dass sie den Kampf gewonnen hätte, doch sie wusste, dass der Preis hoch gewesen wäre. Und der Wald war groß genug für sie beide.

Hunger, den sie so gut gekannt hatte, war nur mehr ein flüchtiger Bekannter für sie. Während der Abenddämmerung klopfte er sanft an ihre Träume, um sie daran zu erinnern, dass die Zeit für die Jagd gekommen war. Rund und von trübem Licht erfüllt schob sich der Mond wie ein blindes Auge über die Baumwipfel. Er lieferte in dieser Nacht mehr als genug Licht, um ihren Pfoten einen sicheren und geräuschlosen Pfad über den tückischen Waldboden zu zeichnen. Doch damit machte er die Pirsch nicht leichter. Schon hatten die haarigen Brüder der Zweibeiner sie entdeckt. Von ihren Bäumen aus verkündeten diese selbsternannten Herolde aus lauten Kehlen die Ankunft der Königin des Dschungels. Kleine haarige Wesen verkrochen sich in ihren Löchern, schlanke elegante Körper schossen über den Waldboden dahin und schuppige Miniaturdrachen glitten auf den Häuten zwischen Vorder- und Hinterbeinen durch die Luft.

Es half wenig, dass Furcht schnell war und selbst das Unterholz respektvoll vor ihr zurückzuweichen schien. Wo sie hinkam, war alles tierische Leben verschwunden. Zurück blieb der Geruch von Furcht und Todesangst, der sie wie schweres Parfüm umgab. Doch da mischte sich ein falscher Ton in diese Melodie des nahenden Todes. Ein Brüllen, eine an den nahenden Schrecken gerichtete Herausforderung, jemand, der sich selbst für den Beherrscher des Waldes hielt. Es war ein lautes Brüllen, aber nicht laut genug, um aus einer mächtigen Kehle wie der von Respekt zu stammen. Furchts Lefzen verzogen sich zu einem Grinsen, das vollständig aus messerscharfen Zähnen bestand. Sie brüllte nicht. Es war noch zu früh, um diesen kleinen König des Dschungels auf seinen tödlichen Irrtum aufmerksam zu machen…

Heldenerschaffung bei Barbarians of Lemuria

Oder genauer gesagt: Worauf ich persönlich bei der Charaktererstellung achte. Nachdem ich mich so lange darüber ausgelassen habe, was Sword & Sorcery für mich bedeutet, stellt sich natürlich die Frage, was ich damit anfange und warum ich diese subjektiven Erkenntnisse für eine Bereicherung im Barbarians of Lemuria-Spiel halte. Wie bereits erwähnt steht oder fällt eine gute Runde für mich mit den Helden. Wie also erstelle ich einen Charakter, der meinen Ansprüchen genügt? Nun, als erstes lege ich das Regelwerk, in meinem Fall die Mythic Edition, griffbereit in meine Nähe. Die Charaktererschaffung bei BoL geht zwar schnell und einfach, aber das eine oder andere Detail schlage ich doch gerne noch nach. Spieler, die (noch) kein Regelwerk besitzen, können die wichtigsten Dinge auch in der kostenfreien Version, die man in englischer Sprache als PDF findet, nachsehen.

Das Wichtigste über einen Sword & Sorcery-Helden sollte in wenigen, kurzen und prägnanten Sätzen gesagt sein. Doch wie lässt sich das auf den Charakter übertragen? In vielen Fällen schon beinahe erschreckend einfach. Das Regelwerk fängt hier Heldenbeschreibungen vieler literarischer Vorlagen nahezu perfekt ein. In „Beyond the Black River“ sagt Conan über sich: „I’ve been a mercenary captain, a corsair, a kozak, a penniless vagabond, a general—hell, I’ve been everything except a king of a civilized country, and I may be that, before I die.” Das ist etwa, als würde man den tabellarischen Lebenslauf von jemanden lesen. Man kennt einige wichtige Stationen seinen Werdegangs, weiß was er wo gelernt hat, in welchem Bereich er bei welcher Firma tätig war, und hat schon eine Menge Vorurteile über die Person. Außerdem kann man etwa einschätzen, welche Fähigkeiten sie haben muss. Von einem Informatiker kann man erwarten, dass er einige Programmiersprachen beherrscht und sich in andere in absehbarer Zeit einarbeiten kann, wenn er sie braucht. In den Geschichten dienen solche Aufzählungen zudem zur Einordnung auf der Zeitachse. Oh, der Held war schon Korsar, dann spielt sie wohl nach der Piratengeschichte, die ich bereits kenne…

In BoL beginnt jeder Charakter mit vier Laufbahnen, die detaillierte Fertigkeitslisten komplett ersetzen. Diese kommen vor allem bei Proben außerhalb der Kämpfe zum Tragen. Es werden vier Punkte darauf verteilt, und zu Beginn darf der Rang zwischen 0 und 3 liegen. Später ist eine Steigerung mittels Abenteuerpunkten bis auf 5 möglich und neue Karrieren können begonnen werden. Also übertragen wir mal Conans Werdegang. Er ist Barbar, das wissen wir. Als solcher wird man geboren oder zumindest erzogen und darum steht diese Laufbahn gegebenenfalls am Anfang: Barbar 1. Er war also Söldner und noch dazu Hauptmann: Söldner 2. Korsar war er auch, wunderbar: Pirat 1. Kosak ist durch die Karriere Söldner hinreichend abgedeckt und aus dem mittellosen Vagabunden machen wir Bettler 0. Wir haben eh keinen Punkt mehr übrig und auf den Aspekt des Bettlers braucht man keinen zu großen Wert legen. Der dient wohl eher dazu die Geschichte abzurunden und ein Held von Conans Format ist selten lange mittellos. General? Nun für einen hohen Soldatenrang fehlen die Punkte. Wir haben es vielleicht mit einem jüngeren Conan zu tun, der sich den Posten als General noch erspielen muss. König eines zivilisierten Landes wäre danach auch noch ein Ziel, auf das man in einer Kampagne hinarbeiten könnte. Damit wäre schon ein großer Teil der Charaktererschaffung geschafft. Conan: Barbar 1, Söldner 2, Pirat 1, Bettler 0

Um die Werte einordnen zu können: 0 bedeutet bei BoL immer schon durchschnittlich und mit Wert 5 ist man Experte, um den sich Mythen ranken, auf seinem Gebiet. Helden sind kompetent und müssen sich schon anstrengen, um irgendwo unterdurchschnittlich zu sein. Ihre Schwächen sind anderer Natur, doch dazu kommen wir später. Zu fast jeder der Laufbahnen im Regelwerk gibt es auch gleich alternative Bezeichnungen, aus der man wählen kann, was am besten in den Hintergrund, den man sich zurechtlegt, passt. Nur der Luftpilot ist ein so speziell lemurischer Beruf, dass er nur als solcher bezeichnet wird. Will man jetzt beispielsweise aus einem Tiermeister/Dompteur/Tiertrainer einen Zähmer machen, ist das eine künstlerische Freiheit, die ich mir sowohl selbst herausnehmen, wie auch anderen Spielern zugestehen, würde.

Meist wird man ja keinen Helden exakt aus einem Buch übernehmen wollen, doch das Vorgehen ist ähnlich. Was für eine Art von Charakter soll es werden? Eher der große, muskelbepackte Barbar oder der kleine, drahtige Dieb mit der schnellen Klinge und dem ebenso schnellen Verstand? Dann hat man auch eine Vorstellung, was der Held können sollte. Man wählt sich vier passende Laufbahnen aus, bringt sie in halbwegs sinnvolle Reihenfolge, verteilt die vier Punkte und hat bereits ein solides Gerüst für eine Hintergrundgeschichte.

Jeder Sword & Sorcery-Held ist wehrhaft. Darum hat auch jeder Charakter vier Kampffertigkeiten und zwar jeweils die gleichen vier. Bis zur Legendary Edition waren das Raufen, Nahkampf, Fernkampf und Verteidigung. Seit der Mythic Edition, der aktuellen Ausgabe, die auch ich spiele, sind es Initiative, Nahkampf, Fernkampf und Verteidigung. Raufen, das beispielsweise bei Wirtshausschlägereien zum Einsatz kommt, wird nun durch Nahkampf mit abgedeckt. Wieder hat man vier Punkte zur Verfügung und darf zu Beginn maximal 3 Punkt auf eine Fertigkeit vergeben. Doch hier hat man die Möglichkeit auch einen der Werte mit -1 zu belegen. Später könne Werte bis auf 5 gesteigert werden. Conan ist auf jeden Fall ein sehr guter Nahkämpfer. Doch auch in den anderen Bereichen ist er bewandert. Wie gut, dass 0 schon einen durchschnittlichen Kämpfer beschreibt. Versuchen wir also ihm halbwegs gerecht zu werden. Conan: Initiative 0, Nahkampf 2, Fernkampf 1, Verteidigung 1

Was machen die Fertigkeiten? Initiative hilft dabei in der Angriffsreihenfolge früh dranzukommen. Doch da haben die Spielercharaktere gegenüber den NSCs ohnehin Vorteile. Nahkampf erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Nahkampfangriffe gelingen, Fernkampf wirkt analog für Fernkampfangriffe und Verteidigung erhöht für andere die Schwierigkeit den eigenen Charakter zu treffen und wirkt sich dadurch auf die Ausweichwahrscheinlichkeit aus.

Nun fehlen dem Helden noch Attribute. Überraschenderweise sind es wieder vier Stück, auf die vier Punkte bis maximal 3 verteilt werden dürfen. Auch hier darf ich einen Wert auf -1 legen und im Verlauf des Spieles können sie bis 5 gesteigert werden. Es gibt Stärke, Geschick, Verstand, Auftreten. Wieder ist es nicht leicht Conan gerecht zu werden. Ein Versuch könnte so aussehen: Stärke 3, Geschick 1, Verstand 0, Auftreten 0.

Attribute sind toll, denn man kann sie innerhalb und außerhalb von Kämpfen gebrauchen. Dafür ist es auch so, dass später Laufbahnen am günstigsten und Attribute am teuersten zu steigern sind. Vor allem, wenn die Werte hoch werden. Stärke kann (gewaltsam) Türen öffnen, Gitterstäbe verbiegen und trägt im Kampf zur Schadenshöhe bei. Geschick hilft dabei über schmale Felsgrate zu balancieren, Schlösser zu knacken und den Gegner überhaupt erst mit der Waffe zu treffen. Verstand ist für Magier und Alchemisten (auf die hier nicht detailliert eingegangen wird) besonders interessant, beinhaltet aber auch die Aufmerksamkeit, um Gefahren zu erkennen, und spielt bei der Angriffsreihenfolge eine Rolle. Auftreten hilft bei der Informationsbeschaffung, bei Betrügereien und dabei andere Leute anzuführen.

Erschaffe ich mir nicht speziell einen Dieb aus Malakut, einen Meuchler aus Halakh oder ähnliches, mache ich mir oft erst zu diesem Zeitpunkt Gedanken darüber wohin ein solcher Charakter auf Lemuria am besten passt. Dabei ist die Liste typischer Gaben und Schwächen eine gute Richtlinie. Ein Barbar nach Conans Vorbild wird ganz klar aus Valgard (einer Gegend nach nordeuropäischem Vorbild) stammen. Also bekommt er eine typische Gabe dieser Region. Schade: Wachsam und Hart im Nehmen stehen nicht auf der Liste. Dann eben Schnelle Erholung. Er regeneriert verlorenes Lebensblut zügig, das passt auch gut. Für jeden weiteren Vorteil gibt es einen Nachteil. Oder er bekommt dafür einen Heldenpunkt abgezogen, aber ich hänge an meinen Heldenpunkten. Die erste Schwäche muss auch für die Herkunftsregion typisch sein. So, nun wird unser Conan Wachsam, um die Nullen bei Initiative und Verstand auszugleichen. Wir haben es schließlich mit einem Barbaren mit scharfen Sinnen zu tun. Dadurch bekommt er beim Initiativwurf einen Vorteilswürfel. Im Gegenzug bekommt er – typisch für Leute aus Valgard – den Nachteil Misstrauen gegen Zauberei. Wird er mit Magie konfrontiert, muss er mit einem Nachteilswürfel leben. Wenn uns das gar nicht gefällt, kann man einen Nachteil später mit Abenteuerpunkten abbezahlen. Aber machen nicht gerade ihre Schwächen die Helden interessant und liebenswert? Für eine weitere Schwäche könnte unser Held eine weitere Gabe erhalten. 3 Vorteile und 2 Schwächen sind aber bei der Erschaffung das Limit. (Eine Ausnahme sind Charaktere gefährliche Laufbahnen wie Magier oder Alchimist, die weitere Schwächen riskieren.) Weitere Vorteile können später für Abenteuerpunkte erstanden werden. Manche Gaben erlauben es übrigens ein Attribut schon zu Beginn auf 4 zu haben und bis auf 6 zu steigern.

Unser Held startet mit 5 Heldenpunkten. Mit dem Vorteil Günstling der Götter könnten es 6 sein und werden Gaben mit Heldenpunkten abbezahlt, beginnt der Charakter mit weniger Punkten. Das Lebensblut beträgt 13 (10 + Stärke). Ist der Held Hart ihm Nehmen, kommen nochmals 2 Punkte dazu, ist er hingegen Feingliedrig, werden 2 Punkte abgezogen.

Jeder Held, der nicht mit der Schwäche Analphabet geschlagen ist, kann die Sprachen, die er beherrscht, auch lesen und schreiben. Nur Zauberisch muss in Wort und Schrift separat erlernt werden. Helden beherrschen Lemurisch und ihre Muttersprache. Kommen sie aus einer Gegend, in der Lemurisch gesprochen wird, können sie sich die zweite Sprache aussuchen. Für jeden Rang auf Verstand und für gewisse Laufbahnen kommen weitere Sprachen dazu. Verständnisprobleme stehen wohl nicht im Mittelpunkt von Barbarians of Lemuria. Die Helden des Genres sind ja auch häufig weit gereiste Männer von Welt. Unser Conan kann also Lemurisch und Valgardisch.

An Ausrüstung bekommen die Helden was die Spieler haben wollen, sofern es nicht total ausufert. Wie viele Conan-Geschichten handeln von den Widrigkeiten beim Kauf eines neuen Sattels? Eben. Eines der gewöhnlicheren Reittiere, zwei, drei oder vier Waffen, eine Rüstung der Klasse, die dem Spieler angemessen scheint (es wird zwischen leicht, mittel und schwer unterschieden), und es kann losgehen. Größere Waffen machen mehr Schaden, aber es gibt nette Kampfoptionen, die zwei Angriffe erlauben, wenn sich der Spieler für zwei kleinere Waffen entscheidet. Und das Spiel ist so regelleicht, dass die Kämpfe auch mit zusätzlichen Optionen noch angemessen schnell und brutal sein können. Geben wir unserem Charakter doch eine leichte Rüstung, die ihn nicht groß einengt, und eine Nahkampfwaffe jeder Größenordnung: Breitschwert (groß), Handaxt (mittel) und Dolch (klein).

Namen! Man reiche dem Helden einen Namen! Mit Conan würden wir es uns ein wenig zu einfach machen, oder? Es gibt eine kurze Liste typischer Männer- und Frauennamen jeder Region. Für Valgard finden sich so klangvolle Beispiele wie Broti, Elkor oder Jark. Habe ich nicht schon einen Namen im Hinterkopf, lass ich mich gerne inspirieren. Für einen Helden, den ich wirklich spielen will, kopiere ich ihn aber normal nicht einfach. Nanoc (Conan rückwärts) klingt doch nicht schlecht.

Nicht notwendig, aber in meinen Augen dennoch wichtig, ist der Fluff. Nach so einer Charaktererschaffung hat man doch ohnehin ein paar Ideen, wie der Held zu dem wurde, der er heute ist. Zeit es den Mitspielern mitzuteilen und im Idealfall sogar aufzuschreiben. Das können nun 5 Stichpunkte, 5 Sätze oder 5 Seiten werden. Lassen sich die Schicksale zweier Charaktere schon vor dem ersten ausgespielten Abenteuer verbinden? Was lockt und motiviert den Helden? Gold, schöne Frauen (oder Männer) oder hat er etwas raffiniertere Beweggründe? Wird er Gesucht, ist er Besessen, Verflucht oder Süchtig (auch ein paar schöne Schwächen von der Liste)? Gibt es lose Enden in der Biographie, die der Spielleiter aufgreifen und aus denen er sein Garn spinnen kann? Die Probleme eines Sword & Sorcery-Helden können gar nicht persönlich genug sein. Seid kreativ und denkt in großen Maßstäben. Eure Charaktere sind Helden und womöglich künftige Könige. Keine falsche Scheu vortäuschen und dann kann das Abenteuer beginnen…

Das war es mit der Einführung in die Charaktererschaffung bei Barbarians of Lemuria. Wer noch weitere Inspiration wünsche, kann sich oben im Menü durch Helden, die bereits gespielt wurden, klicken. Oder er schaut mal bei den „Ready to Run Helden“ rein. Dort werde ich auch Nanoc den Barbaren einstellen, da wir ihn nun schon erschaffen haben…